PERJECIUM

26.08.2022 - 24.09.2022

Eine Ausstellung von Stella Melbye-Konan, Kuratorische Assistenz von Caecilia Reemtsma und Rena Taeger

Unter dem Titel "PERJECIUM" stellt die Galerie Melbye Konan die Werke des international preisgekrönten Künstler Yeanzi aus der Elfenbeinküste, vom 26. August bis zum 24. September 2022, auf 400 m² aus. Yeanzi wurde die große Ehre zuteil, die Elfenbeinküste auf der Biennale von Venedig 2022 zu vertreten. In der aktuellen Ausstellung zeigt die Galerie Melbye-Konan auch zwei Werke des Künstlers, die für die Biennale ausgewählt wurden.

Der Titel PER-JEC-IUM setzt sich aus den Titeln seiner drei Hauptserien PERSONA, PROJECTIONS und COLLOQUIUM zusammen, die eine kritische Auseinandersetzung mit der Aufgabe menschlicher Gesellschaften, Erinnerungen weiterzugeben, darstellen. In der Ausstellung präsentiert die Galerie Melbye-Konan sechs Kunstwerke aus seiner jüngsten Serie Colloquium.

Mit ‘Persona’ hinterfragt der Künstler nicht nur seine eigene Persönlichkeit, sondern auch die Rolle des Individuums innerhalb der Gesellschaft. 'Projections' untersucht die Bedeutung der Gemeinschaft für sich und das darin lebende Individuum und die gegenseitige Beeinflussung, während die dritte Serie, ‘Colloquium’, sich dem Aspekt der Amnesie widmet und sich mit der Bedeutung des historischen Gedächtnisses im Aufbauprozess und der Entwicklung von Gesellschaften und Völkern beschäftigt.

Die Ästhetik seiner Werke verfeinert Yeanzi durch den Einsatz verschiedener Medien, der herausragenden technischen Ausführung und des thematischen Ausdrucks seiner Bildsprache. Er integriert Elemente der alten ägyptischen Kultur, ihren Hieroglyphen, Traditionen, der Ikonographie und der allgemeinen Geschichte, sowie Bété-Zeichen, eine traditionelle Schrift die ihre Wurzeln in der Kultur der Elfenbeinküste hat und dessen Alphabet der Künstler Frédéric Bruly Bouabré in den 1950er Jahren entwarf.

In der Synthese mit seiner einzigartigen Technik des Schmelzens von Plastik, um Gesichter zu schaffen, kontrastiert er den jahrtausendealten kulturellen Reichtum Afrikas mit der heutigen Entwicklung der modernen Gesellschaften und der damit verbundenen Amnesie. Diese Dichte an Elementen nährt sowohl die Komplexität als auch das Verständnis seines Werks.

Yeanzis plastischer Ansatz ist zugleich historisch, denkwürdig und utopisch. Er stellt das kollektive Gedächtnis von Völkern und Gesellschaften in Frage und zieht eine Parallele zwischen der realen Erfahrung der Menschen und der Utopie eines wiederzuentdeckenden Gedächtnisses. Dieses ist notwendig, um das Ideal einer Gesellschaft zu schaffen, die von dem, was er als "kollektive Amnesie" bezeichnet, zerfressen ist. Die Frage nach der kulturellen Identität der heutigen Gesellschaften und Völker, sowie den in ihnen lebenden Individuen wird dadurch in den Vordergrund gestellt.

"Wir haben Modelle entwickelt, die nicht dem entsprechen, was wir im Moment sind, was wir werden. Wenn ich von kollektiver Amnesie spreche, geht es mir um die Wiederherstellung des Gedächtnisses, einer starken Identität, meines neuen Entwicklungsmodells (...). Wir Menschen handeln nicht immer so frei und unabhängig, wie wir vielleicht denken. Soziale Konstruktionen von Kultur und Identität, die unser Handeln im Alltag bestimmen, sind tief in unseren Köpfen verankert." -Yeanzi, 2022