HERITAGE

14.05.2021 - 14.07.2021

Die Galerie Melbye-Konan zeigt vom 14. Mai bis 14. Juli 2021 in der Gruppenausstellung HERITAGE Gemälde der ersten Generation ivorischer Künstler sowie Arbeiten von zeitgenössischen internationalen Künstler*innen, die sich mit dem Thema des kulturellen und kolonialen Erbes in Afrika auseinandersetzen. Insbesondere ehrt die Ausstellung den großen Meister Michel Kodjo (1935-2021), einer der größten ivorischen Maler der ersten Generation, der dieses Jahr im März verstorben ist. Bereits 1957, drei Jahre vor der Unabhängigkeit der Elfenbeinküste, wurden seine Werke im Rathaus in einer Einzelausstellung in Abidjan gezeigt und markieren den Beginn einer neuen Ära in der Kunst.

Die ivorische zeitgenössische Kunst, die sich bis zur Unabhängigkeit an der europäischen Kunst, insbesondere der französischen, orientiert hat, findet im Aufbruch der 60er Jahre seine eigenen Normen und spiegelt die gesellschaftspolitischen Bestrebungen eines Volkes auf der Suche nach Identität. Historisch gesehen beginnt es mit der Kolonialisierung und Gründung von Côte d'Ivoire nach der Berliner Konferenz von 1885, die über die Teilung Afrikas in europäische Besatzungszonen entschied. Am 10. März 1893 erhielt die République de Côte d'Ivoire (R.C.I) nach dem Dekret der französischen Regierung den Status einer französischen Kolonie. Dieser Gründungsakt markiert sowohl den Beginn der europäischen Kultur in Côte d'Ivoire als auch den Ursprung der zeitgenössischen Kunst.

Nach der Unabhängigkeitserklärung im Jahr 1960 bildet sich eine nationale Kunstszene in der Côte d’Ivoire, gefördert durch die von der Politik ins Leben gerufenen Kunst Institutionen, wie der Kunsthochschule École des Beaux-Arts und dem National Institut of Arts in Abidjan. Zur ersten Generation von Künstlern in Abidjan, der sogenannten „École d’Abidjan“ zählen u.a. Michel Kodjo, James Houra, Samir Zarour Stenka, Frédéric Bruly-Bouabré, James Kokobi. In dieser Gruppe entfalten sich in den 70er Jahren zwei konträre Stile, zum einem der klassisch figurativen Kunst, und zum anderen der Vohou-Vohou-Ästhetik, die sich im Gegensatz zur akademischen Lehre kennzeichnet. In der École des Beaux-Arts in Abidjan werden noch bis heute die meisten international bekannten ivorischen Künstler*innen ausgebildet.

Der erste Teil der Ausstellung widmet sich der ersten Künstler Generation aus der Côte d’Ivoire. Die Werke von Michel Kodjo (1935-2021), James Houra (1952-2020) und Samir Zarour (geb. 1942) befassen sich sowohl inhaltlich als auch stilistisch mit dem Thema des kulturellen und kolonialen. Die Arbeiten von Michel Kodjo setzen sich sich mit Konzepten der Mystik und afrikanischen Symbolik auseinander. Kodjo vermischt elegant das Traditionelle mit dem Zeitgenössischen und schuf dabei ein beispielloses Gesamtwerk. Portraits in bunten Farben im Schachbrett-Muster sind typisch für die Werke des mehrfach ausgezeichneten Künstlers James Houra, die an den traditionell gewebten Kita- oder Kinté-Pagne erinnern. Samir Zarour (geb. 1942), erster ivorischer Künstler diplomiert von der Ecole des Beaux-Arts in Paris, erzählt in seinen figurativ realistischen Gemälden Szenen aus dem Alltag in Afrika.

Der zweite Teil der Ausstellung zeigt die Interpretation der jungen Generation zum Thema Heritage und und stellt in Dialog Arbeiten von vier Künstler*innen. Der ivorische Künstler Yéanzi hinterfragt in seinen Portraits das Konzept der Identität und Herkunft sowie die damit verbundene Form der Amnesie durch die Kolonialisierung und deren Bedeutung für die Identitätsbildung. Die nigerianische Künstlerin Vivian Timothy befasst sich in ihren Arbeiten mit dem Vergessen der afrikanischen Kultur und Geschichte, sozialer Ungerechtigkeit sowie Stereotypen. Serges Aboua thematisiert in seiner „Série Bleu“ die Aspekte des architektonischen und urbanen Erbe der afrikanischen Großstädte und ihren Effekt auf das Individuum. Die Werke der deutschen Künstlerin Anna Belén beweisen, dass ein Perspektivwechsel möglich ist. In ihren Arbeiten auf Segeltüchern beschäftigt sie sich mit der Geschichte der Stadt Hamburgs zum Kontinent, da diese historisch bedingt durch ihre Handels- und Hafenaktivität sehr eng mit Afrika verbunden ist.

Die Ausstellung möchte darüber hinaus zum Austausch im Rahmen des aktuellen postkolonialen Diskurses anregen sowie verschiedene Sichtweisen aus Afrika, Deutschland und der Diaspora zu Wort kommen lassen.