Kunstquartal März – Mai 2025

JUNGLE OF ENCOUNTERS - Yannick Ackah vereint afrikanische Tradition und westliche Kunstgeschichte
April 1, 2025
Die afrikanische Maske, ein Objekt mit tiefer kultureller und spiritueller Bedeutung, hat im 20. und 21. Jahrhundert einen prägenden Dialog in der westlichen Kunst angestoßen – von Picassos kubistischer Revolution bis zu Basquiats expressiver Auseinandersetzung. Jetzt setzt Yannick Ackah diesen Diskurs fort und interpretiert die Maske neu. In seiner Einzelausstellung Jungle of Encounters (29. März – 14. Juni 2025, Galerie Melbye-Konan, Hamburg) stellt Yannick Ackah (*1992, Yamoussoukro, Côte d'Ivoire) die Maske ins Zentrum seiner großformatigen Werke. Seine Leinwände sind dichte, pulsierende Geflechte aus Farben, Formen und Materialien: Zeitungsausschnitte, Texte und Symbole verschmelzen zu collageartigen Oberflächen mit Dreidimensionalität und Tiefe. Seine Werke verweben dabei afrikanische kulturelle Traditionen mit Einflüssen aus der westlichen Kunstgeschichte. Das zentrale Motiv der Maske in Ackahs Werk spannt einen Bogen von ihren afrikanischen Ursprüngen über ihre Aneignung durch Picasso und die Pariser Moderne bis hin zu Basquiat und der Graffiti-Kunst der 1980er Jahre. Die europäischen Avantgardisten entdeckten in den afrikanischen Masken und Skulpturen neue Ausdrucksmöglichkeiten. Picasso ließ sich von Masken inspirieren und prägte mit Les Demoiselles d’Avignon (1907) eine künstlerische Wende. Basquiat setzte sich mit afroamerikanischer und afrikanischer Identität auseinander und verwendete Masken als Metapher für schwarze Identität - in einer von Weißen dominierten Kunstwelt. Auf der Suche nach dem eigenen generationenübergreifenden Erbe afrikanischer Kultur reiste er 1986 an die Côte d’Ivoire und teilte seine Kunst mit der Bevölkerung. Ackah greift diese Einflüsse auf, entwickelt sie jedoch weiter. Wie Picasso nutzt er Masken zur Abstraktion, wie Basquiat thematisiert er Identität und künstlerische Dekolonisation. Doch sein Ansatz ist einzigartig: Er bringt die Maske aus dem ethnografischen Museum in einen aktiven zeitgenössischen Kontext. Ackah schafft eine Welt, in der sich die Grenzen zwischen afrikanischer Kultur und postkolonialer Identität auflösen. Der Besucher taucht ein in eine lebendige Atmosphäre, die von persönlichen, sozialen und historischen Erzählungen durchdrungen ist. Als Teil einer neuen Künstlergeneration Afrikas bettet Ackah postkoloniale Diskurse in die Gegenwartskunst ein. Seine Werke zeigen, dass der kulturelle Austausch zwischen Afrika und dem Westen keine Einbahnstraße ist – Afrika ist ein aktiver Akteur der globalen Kunstgeschichte. Nach seiner Ausbildung an der École des Beaux-Arts in Abidjan, die er 2020 abschloss, erlangte Ackah rasch internationale Aufmerksamkeit. Seine Werke sind in renommierten Sammlungen weltweit vertreten, unter anderem in Frankreich, Deutschland, den USA, Japan und Südkorea. Er stellte in Mouvement (Institut Français, Hamburg) und Persona (kuratiert von Harald Falckenberg) aus. 2025 wurde er für den Norval Sovereign African Art Prize nominiert.